Artenschutzprojekt Salzach-Äsche

Erhalt einer bedrohten Leitfischart in der Berchtesgadener Ache

 

Die Berchtesgadener Ache gehört zu den ökologisch wertvollsten Fließgewässern des südlichen Berchtesgadener Land. Sie ist ein historisch bedeutender Lebens- und Laichraum der heimischen Salzachäsche (Thymallus thymallus), einer genetisch eigenständigen Äschenpopulation des Salzachsystems.

 

In den vergangenen Jahrzehnten sind die Bestände dieser Fischart stark zurückgegangen. Ursachen hierfür sind vielfältig: Gewässerausbau und Begradigungen, Wanderhindernisse durch Querbauwerke, veränderte Abflussverhältnisse, steigende Wassertemperaturen infolge des Klimawandels sowie ein zunehmender Prädationsdruck durch fischfressende Tiere. Die Äsche gilt heute in weiten Teilen ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes als stark gefährdet.

 

Der Fischereiverein Berchtesgaden-Königssee e.V. engagiert sich deshalb seit vielen Jahren ehrenamtlich für den Schutz und die Förderung der heimischen Fischbestände. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Erhalt der Salzachäsche. In den Vereinsgewässern wird die Art konsequent geschont; eine Entnahme ist ganzjährig untersagt.

 

Darüber hinaus ist der Verein in das Artenhilfsprogramm des Fischereiverbandes Oberbayern eingebunden. Im Rahmen dieses Programms werden seit mehreren Jahren gezielt Äschensetzlinge aus der regional passenden Salzach-Genetik in geeignete Gewässerabschnitte der Berchtesgadener Ache eingesetzt. Die bisherigen Maßnahmen zeigen bereits erste Erfolge. Immer wieder können Äschen verschiedener Altersklassen nachgewiesen werden, was auf eine positive Entwicklung der Bestände und die Wirksamkeit der bisherigen Besatz- und Schutzmaßnahmen hindeutet.

 

Aktuelle Renaturierungs- und Rückbaumaßnahmen im Unterlauf der Berchtesgadener Ache schaffen zusätzliche Perspektiven für die Zukunft. Durch die Verbesserung der Gewässerdurchgängigkeit können Äschen wieder vermehrt in ihre historischen Laichgebiete aufsteigen und dort erfolgreich ablaichen. Diese Entwicklung bietet die Chance, die natürliche Reproduktion der Bestände langfristig zu stärken und verloren gegangene Lebensräume wieder zu erschließen.

 

Um diesen Prozess nachhaltig zu unterstützen, plant der Fischereiverein den weiteren Ausbau gezielter Aufzucht- und Besatzmaßnahmen auf Grundlage der regionalen Salzach-Genetik. Ziel ist es, die natürlichen Bestände zu stabilisieren und den Wiederaufbau einer langfristig selbsttragenden Population zu fördern. Dabei steht nicht die fischereiliche Nutzung, sondern ausschließlich der Artenschutz und die Erhaltung der biologischen Vielfalt im Vordergrund.

 

Ein ausgewogenes Management der Gewässer umfasst dabei auch die Berücksichtigung aller Einflussfaktoren auf die Fischbestände. In einer durch den Menschen geprägten Kulturlandschaft müssen neben der Verbesserung der Lebensräume auch die Auswirkungen eines steigenden Prädationsdrucks durch Kormoran, Gänsesäger, Graureiher und Fischotter betrachtet werden. Nur durch einen ganzheitlichen Ansatz können die Voraussetzungen geschaffen werden, um gefährdete Arten wie die Salzachäsche dauerhaft zu erhalten.

 

Mit diesem Engagement leistet der Fischereiverein einen nachhaltigen Beitrag zum Schutz einer bedrohten heimischen Fischart und zur Sicherung der biologischen Vielfalt in der Region. Der Erhalt der Salzachäsche ist ein wichtiger Baustein für die Bewahrung der einzigartigen Gewässerlandschaft des Berchtesgadener Landes und ihrer natürlichen Lebensgemeinschaften für kommende Generationen.